Aktuelles

(v.l.) Laienschauspielerin Inge Christmann, Laienschauspieler Sebastian Martinetz und Petra Müller vom Begleitenden Dienst

„Wolkensprünge“ lautet der spannende Titel des neuen Theaterstücks der Theater-Projektgruppe der Werthmann-Werkstatt, Abteilung Olpe. Das Besondere: Die Mitglieder haben das Drehbuch selbst geschrieben. Inge Christmann (57), seit 2012 Mitarbeiterin in der Olper Werkstatt, lieferte die Initialzündung. „Als ich hier angefangen habe, war ich ein Nichts, ich war nicht sichtbar. Es hat lange gedauert, bis mir mein neues Ich bewusst geworden ist. Ich hatte das Gefühl, dass die Wolken am Himmel im Laufe der Zeit immer heller werden und so kam ich auf den Titel. Mit dem Theaterstück möchten wir zeigen, dass aus blassen, dunklen Wolken helle und strahlende werden können. Das ist der Punkt, an dem ich jetzt bin.“

 

Es ist bereits das 4. Theaterprojekt, das die Caritas-Werkstatt als freiwilliges Projekt im Kursprogramm anbietet. Die Organisation hat Petra Müller vom Begleitenden Dienst, die Leitung obliegt Theaterpädagogin Ulrike Wesely. Sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit psychischen Erkrankungen und zwei Ehrenamtler im Alter von Anfang 30 bis Anfang 60 machen mit. Inge Christmann hat bereits Erfahrungen in den vorherigen Projekten gesammelt und weiß, wie positiv sich das Proben und Spielen vor großem Publikum auf die eigene Persönlichkeit auswirkt: „Die Konzentrations- und Merkfähigkeit wird gesteigert und durch den Umgang mit den anderen sieht man manches anders. Man wird ermutigt, aus sich heraus zu kommen und sich zu entfalten. Man wächst mit seinen Aufgaben und ist stolz, wenn man das Einstudierte gut auf die Bühne bringt. Das führt zu einer größeren Selbstsicherheit und man hat ein ganz anderes Selbstwertgefühl.“

 

Sebastian Martinetz (33) war von 2013 bis 2016 Mitarbeiter der Werkstatt und hat danach den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt geschafft. Da ihm das Theaterspielen seinerzeit große Freude gemacht hat, ist er als Ehrenamtler wieder dabei. Ihm gefällt es, in andere Rollen zu schlüpfen und will sich in dem neuen Stück sogar als Poetry-Slammer beweisen. „Man traut sich Dinge zu, zu denen man sich im wahren Leben nicht traut, zum Beispiel laut zu schreien, zu fluchen und einfach Dinge rauszulassen. Die Dialoge in dem neuen Stück sind zum Teil durch die verdrehten Rollen, in die man schlüpft recht komisch. Einmal ist man herrisch, ein anderes Mal unterwürfig. Es ist auch schön, als Team etwas auf die Beine zu stellen. Der eine kann sich auf den anderen verlassen. Da wird viel Vertrauen aufgebaut.“

 

„Das Besondere an der Gruppe ist auch das Zusammengehörigkeitsgefühl. Es wird viel gelacht, aber nicht übereinander, sondern miteinander. Alles, was passiert, bleibt in der Gruppe. Dadurch werden die Beziehungen vertieft. Insgesamt werden die Mitglieder offener, bei dem einen geht das schnell, bei anderen dauert es länger. Die Entwicklung ist unterschiedlich. Doch jeder Einzelne zieht seinen Nutzen daraus. Neben viel Spaß bietet das Theaterspielen psychisch erkrankten Menschen eine sinnvolle und kreative Beschäftigung. Sie werden im positiven Sinne durch viele neue Herausforderungen wie zum Beispiel das Sprechen und Singen vor Publikum gefordert und setzten so viele Ressourcen frei“, erklärte Petra Müller. Die Mitarbeiterin vom Begleitenden Dienst hat selbst erfahren, dass das Selbstbewusstsein wächst, wenn man vor Publikum steht und frei redet. Wie positiv sich das auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswirkt, hat sie nach jeder Aufführung erlebt. „Eine Laienschauspielerin hat mir gesagt, dass sie zum ersten Mal überhaupt etwas gefühlt hat. Und dafür lohnt es sich, monatelang zu proben.“ „Ja“, ergänzte Inge Christmann. „Über den stehenden Applaus nach der letzten Aufführung komme ich heute noch nicht drüber weg. Der wirkt immer noch.“ 

 

Die Zuschauer dürfen also gespannt sein, was die Akteure am 6. September um 18 Uhr im Speisesaal der Werthmann-Werkstatt Olpe auf die Bühne bringen. Eines sei jetzt schon verraten: Es wird kein zusammenhängendes Stück, sondern eine sinnvolle Aneinanderreihung von Sketchen, Gedichten, Vorträgen und Theaterspiel. Eine Sequenz greift in die andere, wobei der Titel „Wolkensprünge“ sich wie ein roter Faden durch das Geschehen auf der Bühne zieht. Die Theatergruppe freut sich auf viele Besucher. Eine zweite Aufführung ist im Herbst auf dem Schrabbenhof in Silberg geplant.

In der aktuellen Ausgabe der RemmersInside, einer internen Firmen-Zeitschrift der Fa. Remmers GmbH aus dem Oldenburger Münsterland, steht ein kleiner Artikel über ein Projekt in unserer Schreinerei. Die Fa. Remmers beliefert uns unter anderem mit einem Hartwachssiegel, welches auch für das gemeinsame Projekt verwendet wurde, um eine Essgruppe zu versiegeln. Auf dem Bild sehen sie die komplette "Mannschaft" der Schreinerei am fertigen Projekt sitzen. Wir hoffen die Essgruppe hat mittlerweile ihren Platz gefunden. (Ba)

Infos über das BTHG

Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) ist seit Anfang 2017 in Kraft. Die Umsetzung erfolgt in vier Phasen. Signifikante Veränderungen sind im kommenden Jahr zu erwarten. Was auf die Betroffenen, ihre Eltern und Betreuer zukommt, veranschaulichte Gerold Abrahamczik, Sprecher des Beirates der Angehörigen im Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie, im Rahmen einer Informationsveranstaltung in den Werthmann-Werkstätten in Attendorn.

Es soll ein Perspektivenwechsel nach der UN-Behindertenrechtskonvention vollzogen werden: von der Ausgrenzung zur Inklusion, von der Einrichtungs- zur Personenzentrierung, von der Fremd- zur Selbstbestimmung, von der Betreuung zur Assistenz, vom Kostenträger zum Dienstleister und von der Defizitorientierung zur Ressourcenorientierung.

Ziel des neuen Gesetzes ist es, die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen aus dem "Fürsorgesystem" heraus zu führen und zu einem modernen Teilhaberecht weiter zu entwickeln. Die Leistungen für Menschen mit Behinderungen sollen noch personenzentrierter ausgerichtet werden und sich am persönlichen Bedarf des Einzelnen orientieren. Die Umsetzung der signifikantesten Veränderungen steht im Jahr  2020 bevor. Dann werden Leistungen der Eingliederungshilfe (Fachleistungen) und Hilfe zum Lebensunterhalt getrennt. Die Leistung der Eingliederungshilfe beinhalten zukünftig Betreuung, Begleitung, Teilhabe, Hilfestellungen. Leistungen zum Lebensunterhalt sind Miete, Nebenkosten und Lebensmittel. Aktuell nimmt der Kostenträger diese Trennung nicht vor und finanziert die Gesamtkosten pauschal.

„Wichtig ist, sich zu informieren und sich mit der Trennung der Leistungen und dem Begriff Personenzentrierung auseinander zu setzen. Fangen Sie an, alles was für Ihr Kind wichtig ist, zu notieren.“ Ein interessierter Besucher fasste für sich zusammen: „Es wird nicht einfacher. Der Bürokratismus wird schlimmer. Angehörige und Einrichtungen sollten in einem Boot sitzen. Wir sollten Bedarfe ermitteln und Anträge stellen.“ Andreas Mönig, Leiter der Werthmann-Werkstätten sicherte die Unterstützung der Werkstätten und des Netzwerkes focus zu und erklärte, dass die Landschaftsverbände in einem Rundschreiben informieren wollen.

Ein kleiner Stift mit großer Wirkung

Ein kleiner Stift ermöglicht Analphabeten bei b.punkt, die berufliche Bildung der Werthmann-Werkstätten, selbstständig einzelne Arbeitsschritte zu erlernen. Dieser digitale Vorlesestift liest die Texte vor, die zuvor eingesprochen worden sind.

Bildungsbegleiterin Katrin Kannengießer führte den digitalen Vorlesestift in ihrer Arbeitsgruppe ein. „Rund ein Viertel meiner Beschäftigten können nicht gut oder gar nicht lesen.“ So kam die Idee, diesen Stift einzusetzen. Das Prinzip ist simpel, aber effizient. 

Ein Vorleser muss nur einen Sticker auf der vorzulesenden Seite platzieren und mit dem Stift aktivieren. Anschließend wird die Seite vorgelesen und direkt über ein integriertes Mikrofon aufgenommen. „All die, die Defizite beim Lesen haben, müssen mit dem Vorlesestift später diesen Sticker wiederum nur antippen und aktivieren, dann wird ihnen die Seite vorgelesen“, erklärt Katrin Kannengießer. Dabei hat die Bildungsbegleiterin wiederum Beschäftigte, die gut lesen können, für diese Aufgabe gewinnen können. „Von Beschäftigten für Beschäftigte“, freut sich die Initiatorin.  

Das ermöglicht jedem Beschäftigten jederzeit die einzelne Arbeitsanweisung zu hören. „Für den Arbeitnehmer in unserer Werkstatt ist es ein weiterer Schritt der Unabhängigkeit und der Möglichkeit zur Teilhabe am Berufsleben“, so Nina Fecker, Teamleitung b.punkt. Geplant ist es, zukünftig alle Arbeitspläne mit Hilfe des digitalen Vorlesestiftes jederzeit für alle verständlich zu machen. „Es ist ein kleiner Stift, aber er bringt den Maßnahmeteilnehmer eine große Freiheit.“

„An diesem Beispiel wird deutlich, wie wir die Digitalisierung in den Werkstätten zum Nutzen der Menschen mit Behinderungen einsetzen. Ganz nach dem Motto der diesjährigen Caritas-Kampagne „Sozial braucht digital,“ so der Leiter der Werkstätten Andreas Mönig.

Bei b.punkt findet die berufliche Qualifikation für Menschen mit Behinderung in den Werthmann Werkstätten statt. Ziel ist es, den Menschen eine berufliche Bildung zu ermöglichen. Dazu werden zunächst die Fähigkeiten und Interessen des Maßnahmeteilnehmers durch praktische Arbeiten und anerkannte Testverfahren ermittelt. In der folgenden zweijährigen Berufsbildungsmaßnahme folgt die Vermittlung praktische und fachtheoretische Kenntnisse in vielfältigen Qualifizierungsbereichen.

Neueste Infos:

Den Antrag zur Teilnahme der Menschen mit Vollbetreuung an der Europawahl können Sie hier herunterladen!

„Wolkensprünge“ lautet der spannende Titel des neuen Theaterstücks der Theater-Projektgruppe der Werthmann-Werkstatt, Abteilung Olpe. Das Besondere: Die Mitglieder haben das Drehbuch selbst geschrieben. Weitere Infos erhalten Sie hier.

In der aktuellen Ausgabe der RemmersInside, einer internen Firmen-Zeitschrift der Fa. Remmers GmbH aus dem Oldenburger Münsterland, steht ein kleiner Artikel über ein Projekt in unserer Schreinerei. Lesen Sie hier.

Neu: Hier werden die Frauenbeauftragte und die Werkstatträte vorgestellt.  

BTHG: Wesentliche Ver-änderungen sind im kommenden Jahr zu erwarten. Hierzu gab es in den Werkstätten aktuelle Informationen.Weitere Infos hier.

Die Mitgliederversammlung des Fördervereins fand in der Abteilung Olpe statt. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Ein kleiner Stift ermöglicht Analphabeten bei b.punkt, die berufliche Bildung der Werthmann-Werkstätten, selbstständig einzelne Arbeitsschritte zu erlernen. Weitere Infos finden Sie hier.


Anrufen

E-Mail

Anfahrt