Aktuelles

Das Kurs-Programm der Werthmann-Werkstätten bietet viele Möglichkeiten

Susanne Eckhardt, Bernard Ledwig, Lisa Kieserling und Sven Gedenk freuen sich auf die Angebote des neuen Kursprogramms

Für Susanne Eckhardt steht donnerstags Singen auf dem Programm. Sven Gedenk, Burkhard Ledwig und Lisa Kieserling ziehen das Trommeln vor. Die musikalischen Angebote sind nur zwei aus dem umfangreichen Kursprogramm der Abteilung Lennestadt der Werthmann-Werkstätten. Das neue Programmheft ist gerade frisch aufgelegt. Auf 28 Seiten werden die farblich unterteilten Angebote mit Piktogrammen erklärt. Im ersten Teil sind Angebote wie Bewegung und Sport, Kunst, Lesen, Musik und religiöser Gesprächskreis erklärt. Die genannten Angebote werden das ganze Jahr über einmal wöchentlich angeboten. Zusätzlich werden  wechselnde Kursangebote durchgeführt.  Bei allen Angeboten ist genau definiert wie viele Teilnehmer sich melden können, wo es stattfindet und wer der Anbieter ist. Letztgenanntes der blauen Angebote spricht Susanne Eckhardt besonders an. "Beim religiösen Gesprächskreis sprechen wir über die Dinge, die uns bewegen. Da kann ich die Seele baumeln lassen", so Susanne Eckhardt. Die Seele baumeln lassen ist das Stichwort und das Ziel der verschiedenen Angebote, die von montags bis donnerstags stattfinden. "Die Angebote sind ein Ausgleich zur Arbeit. Begleitende Angebote sind Bestandteile in den Werkstätten. In allen Abteilungen gehören sie zum Alltag der Beschäftigten. Sie bieten ein ausgewogenes Angebot für verschiedene Bedürfnisse und Interessen an und sorgen für ein lebenslanges Lernen", erklärt Christina Papadopoulos, Begleitender Dienst der Werthmann-Werkstätten. Die internen und teilweise auch externen Angebote werden Dank der Gruppenleiter, Ehrenamtlicher und Honorarkräfte umgesetzt. Im Programm fällt beispielsweise der Besuch der Rettungswache mit Rettungswagen ins Auge. "Wir haben mit einigen externen Stellen eine gute Kooperation. Dazu zählt auch die Rettungswache", lobt Christina Papadopoulos. Und was bringt das Kursprogramm den Beschäftigten? "Man kann sich weiterbilden. Man lernt viele Menschen kennen, auch außerhalb der Werkstatt. Die Begeisterung der Besucher bei den Auftritten der Trommelgruppe ist faszinierend. Einige sind wirklich erstaunt, was Behinderte machen können", lobt Sven Gedenk. Bernard Ledwig hebt den Spaß bei den Kursangeboten hervor und betont, dass er dabei auch andere Beschäftigte der Werkstatt kennen lernt.

Nie wieder! 

Beschäftigte diskutieren über Euthansie.

 

Es ist mucksmäuschenstill in der Teestube der Abteilung Lennestadt der Werthmann Werkstätten. Gebannt lauschen die Beschäftigten den Worten von Regina Schmand. Die Schreibershoferin stammt von der „Erinnerungsinitiative Opfer des Nationalsozialismus Drolshagen“. Sie erzählt exemplarisch die Geschichte von Joseph Dickhoff, der als 37-Jähriger dem Euthanasie-Wahnsinn der Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Der seinerzeit in Schlade wohnhafte litt an Epilepsie und galt somit als behindert. Sein Schicksal begann damit, dass er an seinem ersten Schultag vergaß den Wasserhahn zuzudrehen. Konsequenz: Er wurde als untauglich für die Schule eingestuft. Zu Hause verrichtete er später wie selbstverständlich alle in der Landwirtschaft anfallenden Arbeiten. Im April 1944 wurde er in die Provinzheilanstalt nach Warstein deportiert und wenige Wochen später nach Marsberg, wo er im Februar 1945 laut den Überlieferungen an völliger Entkräftung starb. Welches Leid sich hinter den heute nüchtern erscheinenden Daten verbirgt, kann man kaum ermessen. Die Beschäftigten, die sich freiwillig für die Teilnahme an der Veranstaltung gemeldet hatten, waren leicht erzürnt, erschrocken und emotional berührt, über die kurze Geschichte des behinderten Mannes, der sein Leben ja auch weitgehend meisterte. Nach dem kurzen Vortrag folgte die Aussprache. Christian Dümpelmann meldete sich zu Wort. Seine Aussage traf es auf den Punkt: "Behindert sein ist Ansichtssache. Jemanden der nicht lebt wie die Anderen, kann man doch nicht einfach so abstempeln. Das ist nicht fair. Ich hatte vor 30 Jahren einen Autounfall und musste alles neu lernen, Essen, Trinken und Sprechen." Thomas Halbe, Bildungsbegleiter in den Werthmann Werkstätten sagte: "Wir müssen Stop sagen. Jeder Mensch hat die gleichen Rechte. Auch wir müssen den Mund aufmachen“

Die Behindertenhilfe des Caritasverbandes Olpe führte diese Aktion in allen Abteilungen der Werthmann-Werkstätten anlässlich des bundesweiten Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01.2019 durch.

Ebenso berührten die Erlebnisse der behinderten Frauen, die im heutigen Gerhardus-Seniorenhaus betreut wurden. Auch sie wurden von den Nazis nicht verschont. Die Einrichtung wurde vom Wehrkreis-Kommando für ein Krankenhaus in Beschlag genommen und die Patientinnen in Heilanstalten gebracht, wo ihr Leidensweg begann. Auch dieses Ereignis wurde angeregt diskutiert und die Erkenntnis: Mensch ist Mensch, egal welcher Nationalität, behindert oder nicht behindert.

Die Anwesenden waren der Meinung, dass alle Menschen, ob behindert oder nichtbehindert, alles dafür tun müssen, dass sich solche Geschehnisse nicht wiederholen.

Die Redatkion von vorne nach hinten:

Liesel Steffen, Silvia Demmerling, Iris Thiele, Jutta Korte, Andreas Mönig und Christoph Kleinke.

 

Am Anfang stand die Idee, eine eigene Zeitung von den Beschäftigten für die Beschäftigten der Werthmann Werkstatt herauszubringen. Das war die Geburtsstunde der „WIR-Zeitung“. Die Zeitung von uns -  die Beschäftigten der Werthmann Werkstätten. Heute, neun Jahre später, ist die 25. Ausgabe mit einer Auflage von 1.200 Stück fertig und die Themen gehen dem Redaktionsteam nicht aus.

„Die Zeitschrift ist aus den Werkstätten nicht mehr wegzudenken“, freut sich Werkstattleiter Andreas Mönig über den Erfolg. Neben ihm sind Silvia Demmerling, Iris Thiele, Christoph Kleinke, Jutta Korte und Liesel Steffen Teil des Redaktionsteams. Die beiden letzteren sind ebenfalls seit der ersten Stunde der Zeitung dabei.

In jeder Zeitung können Beschäftigte und Angehörige, sowie alle Mitarbeitenden, ob haupt- oder ehrenamtlich, als sogenannte „freie Mitarbeiter“ Artikel beisteuern. „Menschen mit Behinderungen werden hier zum Redakteur;“ so Mönig, „dies trägt zum Selbstbewusstsein und zur persönliche Stärke bei“.  Besonders gefragt sind dabei die Interviews mit Prominenten. Und Prominente gab es viele. Manche, wie die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft oder Sänger Wolfgang Niedecken, wurden persönlich besucht, andere wie Heino, Lukas Podolski, Politiker wie Norbert Lammert und „Wetterfrosch“ Sven Plöger stellten sich per Internet den Fragen der Reporter.

In dem Interview mit Michael Schumacher aus dem Jahre 2012 fragten ihn Marco Schultze und Klaus Vetter, ob er sich auch schon mal Gedanken gemacht hätte, im Rollstuhl zu sitzen oder eine geistige Behinderung haben zu können. Damals, zwei Jahre vor seinem Unfall, war es für den Formel-Eins Fahrer nicht wirklich vorstellbar.

Seit der 14. Ausgabe gehört auch Phil Hubbe in jede Ausgabe. Der Cartoon Zeichner, der selber an MS erkrankt ist und regelmäßig für Tageszeitungen und den „Kicker“ zur Feder greift, steuert pro Ausgabe auch einen Cartoon bei. Dabei bringt er die manchmal schon grotesken Dinge aus der Wirklichkeit von Menschen mit Behinderung auf den Punkt. Für die Jubiläumsausgabe hat er gleich das Titelblatt gestaltet.

Optisch hat sich die Zeitung im Laufe der Jahre verändert. Wollte man am Anfang viele Informationen übermitteln, überwiegen heute Bilder und die einfache Sprache in der Zeitung.

Informationen stehen trotzdem unverändert im Mittelpunkt jeder Ausgabe. So werden die einzelnen Arbeitsbereiche der Werkstätten vorgestellt und wichtige Dinge aus dem Berufsleben erklärt. Die Beschäftigten berichten von ihrem beruflichen Alltag, aber auch von Freizeitaktivitäten. „Die Fotos von Ausflügen und Veranstaltungen gefallen mir gut“, beschreibt Petra E. Müller, Beschäftigte in der Nebenstelle in Welschen Ennest, warum sie sich auf jede Ausgabe freut. Und über „neue Informationen in jeder Zeitung“, freut sich Bianca Sobbeck aus der Abteilung Attendorn.

Beliebt ist auch immer das Preisrätsel. Das darf natürlich auch in der Jubiläumsausgabe nicht fehlen. Und wer weiß, wann die 50. Ausgabe der „WIR“ erscheinen wird, der kann sich mit etwas Glück über zwei Übernachtungen für zwei Personen im Hotel FIT in Much mit dem Besuch eines Kletterparks freuen. Natürlich auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Außerdem werden noch Theaterkarten und ein Essengutschein verlost. Mitmachen lohnt sich also.

„Der Name ist Programm geworden“, so Andreas Mönig. Die WIR trägt mit dazu bei, dass Beschäftigte, Angehörige und Mitarbeitenden eine hohe Identität mit ihrer Arbeitswelt haben.

 

Neueste Infos:

Die momentan 110 Beschäftigten der Abteilung Lennestadt haben die Möglichkeiten an begleitenden Angeboten, Sport und Bewegung, Kunst Lesen und einigem mehr teilzunehmen. Weitere Infos finden Sie hier.

"Nie wieder" ist die einhellige Meinung der Beschäftigten zur Euthansie des Nazi-Regimes.Weitere Infos hier.

Die Mitglieder der Abteilungsleiterkonferenz legten die Ziele 2019 fest. Schwerpunkte sind die Umsetzungen der neuen gesetzlichen Anforderungen. 

Die WIR-Redaktion ist stolz auf Ausgabe Nummer 25. weitere Infos hier. 


Anrufen

E-Mail

Anfahrt